DOW JONES-Unsere Auswahl an Ereignissen aus der Finanz- und Wirtschaftswelt, die in der Woche im Fokus stehen werden (Angaben in Ortszeit Deutschland):
1. Bank of Japan hat Zinserhöhung im Visier
Die Finanzmärkte blicken mit einer klaren Erwartung auf die anstehende geldpolitische Sitzung der Bank of Japan (BoJ). Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 1,00 Prozent - dem höchsten Stand seit 31 Jahren - wird von den Märkten fast vollständig eingepreist. An dieser Erwartungshaltung dürfte auch der überraschende Krankenhausaufenthalt von BoJ-Chef Kazuo Ueda wegen einer Leberzyste nichts ändern. Während Ueda vorübergehend aus der Ferne agiert, übernehmen seine Stellvertreter die Sitzungsleitung und die anschließende Pressekonferenz, sodass die Kontinuität der Geldpolitik gewahrt bleibt. Der erwartete Zinsschritt wird vor allem durch den anhaltenden Inflationsdruck getrieben. Die Notenbanker sorgen sich zunehmend, dass die durch die Iran-Krise gestiegenen Ölpreise die Kerninflation weiter anheizen. Die BoJ sieht angesichts der geopolitisch bedingten Preisrisiken akuten Handlungsbedarf. Die anstehende Entscheidung gilt daher trotz der personellen Vertretung als richtungsweisendes Signal für die weitere geldpolitische Wende in Japan.
>>> Dienstag, 16.06.2026
2. ZEW-Konjunkturerwartungen Deutschland steigen im Juni marginal
Nachdem sich die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobenen Konjunkturerwartungen für Deutschland bereits im Mai aufgehellt hatten, ist die für Juni zu erwartende Entwicklung ungewiss. Im Mai hatte die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Kriegs am Golf die Stimmung gestützt. Seither hat sich die Lage in der Region aber nicht verbessert, auch wenn hin und wieder Schiffe die Straße von Hormus nach dem vom Iran auferlegten Regime durchfahren dürfen. Die bereits veröffentlichten Sentix-Erwartungen sind gestiegen, aber das hat angesichts der sehr erratischen Entwicklungen am Golf kaum Bedeutung. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten rechnen mit einem Anstieg der Konjunkturerwartungen auf minus 8,0 (Mai: minus 10,2) Punkte.
>>> Dienstag, 16.06.2026; 11:00
3. Zeitenwende unter neuem Fed-Chef Kevin Warsh
Die kommende Sitzung der US-Notenbank markiert den Auftakt für eine Neuausrichtung unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh. Es wird erwartet, dass die Fed die Zinsen zunächst in der aktuellen Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belässt. Ein vorschnelle Zinssenkung gilt als unwahrscheinlich. Erste Fed-Mitglieder plädieren angesichts der auf knapp 4 Prozent gestiegenen Inflation bereits für Zinserhöhungen; und der anhaltende Ölpreisschock durch den Nahostkonflikt, höhere Zölle sowie Kostensteigerungen beim KI-Ausbau dürften die Preise weiter antreiben. Längerfristig deutet sich unter Warsh ein fundamentaler Kurswechsel an. Als Monetarist dürfte er die Fed auf einen regelgebundenen Ansatz einschwören, die Bilanzsumme reduzieren und auf eine aktive Feinsteuerung der Märkte verzichten. Mögliche Produktivitätsgewinne durch KI dienen ihm vorerst wohl nur als Argument gegen weitere Zinserhöhungen, was für die Kapitalmärkte einen schmerzhaften Gewöhnungsprozess bedeuten könnte.
>>> Mittwoch, 17.06.2026; 20:00
4. SNB belässt Leitzins bei 0 Prozent
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte ihre Geldpolitik unverändert lassen und den Leitzins bei 0 Prozent halten. Die Zentralbank dürfte ihre Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt zur Schwächung des Franken bekräftigen, wobei dieser zuletzt etwas abgewertet hat. Unklar ist allerdings, ob und welche Hinweise sie auf den weiteren geldpolitischen Kurs geben wird. Als Anhaltspunkt könnten Analysten unter anderem die Inflationsprognosen dienen. Die wird die SNB wegen der Entwicklung der Energiepreise seit März wohl anheben müssen. Es wird interessant sein, zu sehen, welche Inflationsrate sie für 2028 prognostiziert - zuletzt waren es 0,7 Prozent gewesen. Das Mandat der SNB besteht darin, die Inflation bei unter 2 Prozent zu halten.
>>> Donnerstag, 18.06.2026; 09:30
5. Zinsentscheid der BoE im Schatten der Stagflation
Bei der anstehenden Zinsentscheidung der Bank of England (BoE) deutet alles auf ein konstantes Zinsniveau von 3,75 Prozent hin. Der neunköpfige Rat steht vor einem klassischen Dilemma: Der Nahost-Konflikt treibt die Inflation in Großbritannien in die Höhe, während gleichzeitig das Wirtschaftswachstum und das Verbrauchervertrauen einbrechen. Es droht eine Stagflation. Ökonomen erwarten mehrheitlich eine 8:1-Stimmverteilung für eine Zinspause. Auch wenn im Juni noch stillgehalten wird, schrauben die Märkte ihre Erwartungen für die kommenden Monate nach oben. Sollten sich Zweitrundeneffekte verfestigen, preisen Anleger bis Ende 2026 zwei Zinserhöhungen vollständig ein. Erste Signale hierfür könnten sich bereits in der begleitenden Erklärung zur aktuellen Sitzung verstecken, um den Boden für eine Anhebung im Juli oder September zu bereiten.
>>> Donnerstag, 11.06.2026; 13:00
Mitarbeit: Hans Bentzien, Andreas Plecko
Kontakt zum Autorenteam: topnews.de@dowjones.com
DJG/hab/kla
(END) Dow Jones Newswires
June 15, 2026 00:00 ET (04:00 GMT)



















