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voestalpine: „Insgesamt gesehen überwiegt der Optimismus“

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07.12.2017 | 12:13

Im Rahmen der Interview-Reihe „Die Börsenblogger nachgefragt“ haben wir erneut Peter Fleischer, Head of Investor Relations der voestalpine AG (WKN: 897200 / ISIN: AT0000937503), befragt. Im Gespräch berichtet er über die positive Ergebnisentwicklung des ATX-Konzerns im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2017/18, einige Herausforderungen in den USA, die Auswirkungen der jüngsten Ölpreiserholung und die Investitionen in der österreichischen Heimat.

Die Börsenblogger: Das erste Geschäftshalbjahr war ergebnisseitig das beste seit „Lehman“ – wie zuversichtlich blicken Sie auf das zweite Geschäftshalbjahr?

Peter Fleischer: Die gute Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres war getragen von einer starken wirtschaftlichen Dynamik in Europa, während das globale Wachstum anhaltend hoch blieb. Dies hat neben dem schon längere Zeit recht gut laufenden privaten Konsum auch (endlich) den Investitionsgüterbereich erfasst, was insbesondere unseren Kernmärkten im Bereich Stahl und High Performance Metals zugutekam.

Kurzfristig sind keine Anzeichen einer Trendwende dieser Entwicklung erkennbar. Dementsprechend sollte auch das zweite Halbjahr eine Fortsetzung der recht positive Entwicklung der ersten zwei Quartale ermöglichen.

Risiken, welche die Entwicklung negativ beeinflussen könnten, können aktuell eher außerhalb Europas ausgemacht werden. Beispielsweise beginnt China mit einer kontrollierten Verlangsamung der industriellen Aktivitäten, insbesondere aus Umweltschutzgründen. Diese Verlangsamung wird sich mittelfristig in den globalen Wachstumsdaten niederschlagen.

Insgesamt gesehen überwiegt aber der Optimismus betreffend der weiteren Entwicklung des zweiten Halbjahres.

Darüber hinaus ist erwähnenswert, dass bei aller guten Ergebnisentwicklung zwei wichtige Marktsegmente des voestalpine-Konzerns eine relativ verhaltene Entwicklung zeigen: Die Öl- und Gasindustrie weltweit sowie der Eisenbahninfrastrukturbereich in Europa. Sollten es hier zu einer Erholung kommen, sollte die voestalpine deutlich profitieren können.

Peter Fleischer ist Head of Investor Relations der voestalpine AG (Bildquelle: © voestalpine)

Die Börsenblogger: Ist im US-Geschäft nach der Hurrikan-Saison schon Normalität eingekehrt?

Peter Fleischer: Die Hurrikan-Saison hat eine direkte und eine indirekte Komponente: Die direkte war die kontrollierte Abschaltung der HBI-Anlage in Texas, welche mittlerweile wieder auf Normalbetrieb läuft.

Die indirekte Komponente bezieht sich auf die unmittelbare Auswirkung der Katastrophe auf das Wirtschaftswachstum in den USA im Laufe des zweiten Geschäftsquartals – dies sollte aber im Laufe des Jahres aufgeholt sein. Insbesondere durch das 15 Mrd. US-Dollar schwere Hilfs- und Unterstützungspaket, das der Senat freigegeben hat.

Insofern kann man in Summe auf jeden Fall von wieder eingekehrter Normalität unseres US-Geschäfts sprechen.

Die Börsenblogger: Erwarten Sie eine Nachfragebelebung im Öl-/ und Gas Geschäft durch die jüngste Preiserholung?

Peter Fleischer: Die Bodenbildung im Öl- und Gasgeschäft im Bereich Exploration hat sich schon Ende des letzten Kalenderquartals abgezeichnet und seitdem herrscht eine moderate Verbesserung, die zuerst auf Seite der Nachfrage nach höheren Mengen bei jedoch weiterhin sehr kompetitiven Preisen stattgefunden hat. Mittlerweile ist auch auf der Preisseite eine positive Dynamik erkennbar. Der Preis- und Kostendruck bleibt aber in der gesamten Wertschöpfungskette erkennbar. Der vorherrschende Ölpreis zwingt die Explorationsunternehmen sehr sorgfältig zu kalkulieren, wodurch in der gesamten Supply Chain der Equipment-Industrie nur moderater Spielraum auf der Preisseite bleibt. Dennoch zeichnet sich durch die verbesserte Mengenkonjunktur und die Bewegung auf der Preisseite eine Verbesserung der Ergebnissituation in diesem Segment ab.

Die Börsenblogger: Hat der Standort Österreich mit Blick auf die jüngst beschlossenen hohen Investitionen an Attraktivität gewonnen?

Peter Fleischer: Der Standort Österreich ist für technologieintensive Investitionen zweifellos attraktiv, was vor allem am Angebot von gut ausgebildeten Fachkräften liegt. Gerade die Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung erfordern immer höher qualifizierte Mitarbeiter, die hierzulande zu finden sind. Diese Entwicklung ermöglicht die konsequente Weiterentwicklung von Produkten und Prozessen um im obersten High-Tech-Segment wie bspw. der Luftfahrt oder der Raumfahrtindustrie ein Innovationspartner der Kunden sein zu können.

Zu versuchen auf der Kostenseite mit tendenziell Commodity-orientierten Anbietern aus den „Emerging Markets“ zu konkurrieren, wird aber auch bei aller technologischen Weiterentwicklung weiterhin nicht möglich sein. Auch ist das Wachstumspotenzial in den bereits saturierten Ökonomien wie Europa deutlich niedriger, weshalb weiterhin der Fokus auf Wachstumsmärkte mit Investitionen und Akquisitionen in Amerika und Asien bedeutet.

Dementsprechend müssen die Standorte mit ihren spezifischen Vorteilen für entsprechend unterschiedliche Investitionen strategisch beurteilt werden. Wichtig ist, dass „teure“ Standorte wie bspw. Österreich sich ihrer spezifischen Stärken bewusst sind und diese ausbauen, um weiterhin attraktiv zu bleiben, weiterhin Investitionen im High-Tech Bereich anzuziehen und so eine positive Entwicklungsspirale in Gang setzen bzw. halten zu können.

Die phs-ultraform-Anlage von voestalpine in Schwäbisch Gmünd (Bildquelle: dieboersenblogger.de)

Die Börsenblogger: Setzt die voestalpine weiterhin auf organisches Wachstum oder werden angesichts der Branchenkonsolidierung auch Akquisitionen erfolgen?

Peter Fleischer: Die Konsolidierung in der Stahlindustrie in Europa ist für den voestalpine-Konzern v.a. in der Steel Division mittelbar positiv. Unmittelbar sehen wir wenig Effekte auf unser Geschäft.

Akquisitionen im Capital Goods Bereich wären zwar willkommen, aufgrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik sind die interessanten Targets aber sehr teuer, weshalb wir in jüngster Zeit auf der Akquisitionsseite keine Erfolge verbuchen konnten. Schenkt man Mario Draghi Glauben, wird sich die Zinslandschaft in Europa in nächster Zeit nicht wesentlich verändern und dementsprechend auch die Bewertungen der Targets außergewöhnlich teuer bleiben.

Die Fed (Federal Reserve der USA) hat neben Ankündigungen auch bereits erste (zaghafte) Schritte in Richtung einer Normalisierung der Zinslandschaft unternommen. Möglicherweise ergeben sich in dieser Region daher eher Akquisitionsmöglichkeiten.

Die erfolgreichen Akquisitionsprojekte der jüngeren Vergangenheit waren im Wesentlichen relativ kleine Unternehmen, wo die Bieterprozesse nicht von Finanzinvestoren dominiert wurden. In diesem Segment bleiben wir jedenfalls weiterhin aktiv.

Bildquelle: Pressefoto © voestalpine


© Markteinblicke.de 2017
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