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Warnschuss für Sunrise beim Milliardenkauf von UPC

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10.04.2019 | 17:14

Zürich (awp/reu) - Eigentlich sollte es auf der Aktionärsversammlung von Sunrise noch gar nicht um den Kauf der Kabelnetzbetreiberin UPC gehen. Doch das Ringen um die Finanzierung für die 6,3 Milliarden-Franken-Übernahme überschattete die Generalversammlung am Mittwoch.

Der deutsche Grossaktionär Freenet blockierte einen Vorratsbeschluss für eine Kapitalerhöhung. Dabei ging es aber noch nicht um die geplante Kapitalspritze vom 4,1 Milliarden Franken, mit der Sunrise den Zukauf finanzieren will - darüber stimmen die Aktionäre erst später ab.

Mit dem genehmigten Kapital hätte sich Sunrise jedoch bereits schon vor dieser grossen Kapitalerhöhung Geld von den Aktionären holen können - wenn auch in einem kleineren Umfang von lediglich 4,2 Millionen Aktien. Das ist nun erst mal nicht mehr möglich. Und zugleich ist der Schritt ein Warnschuss, dass der Zukauf von UPC Schweiz noch nicht in trockenen Tüchern ist.

Auf der Generalversammlung stimmten lediglich knapp 59,3 Prozent der anwesenden Aktionäre für den genehmigten Kapitalrahmen. Damit wurde die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit verfehlt.

Freenet gegen Kauf von UPC

Freenet-Chef Christoph Vilanek hat sich gegen eine Verwässerung der Anteile der bisherigen Aktionäre gesperrt, wie er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP sagte: "Wir finden die Idee einer möglichen Verwässerung bereits vor der ausserordentlichen Generalversammlung im Herbst, an der dann über die grosse Kapitalerhöhung von 4,1 Milliarden Franken für den Kauf von UPC entschieden werde, nicht angemessen."

Sunrise-Finanzchef André Krause sagte, das Unternehmen habe damit nun etwas weniger Handlungsspielraum. "Es hätte sein können, das wir gemeinsam mit Freenet zu der Auffassung kommen, dass es vor der Kapitalerhöhung Sinn macht, durch eine vorgezogene Kapitalerhöhung Druck von der grossen Kapitalerhöhung zu nehmen. Das können wir jetzt nicht mehr. Freenet hat uns der Optionalität beraubt", sagte er zur Nachrichtenagentur Reuters.

Zwar sei eine Konsolidierung in der Schweiz mit einer Zusammenführung von Mobilfunk und Kabelnetz vernünftig, aber nicht in der vorliegenden Form, sagte Vilanek. Denn der Kauf von UPC durch Sunrise führe zu einer deutlichen Verwässerung der bisherigen Anteile der Aktionäre.

Das deutsche Unternehmen hält etwa ein Viertel der Sunrise-Aktien und müsste damit rund eine Milliarde Franken zur Kapitalerhöhung beisteuern, um seinen Anteil zu halten. Unternimmt Freenet nichts, sinkt die Beteiligung automatisch - zumal die geplante Kapitalerhöhung mit 4,1 Milliarden Franken den Börsenwert von Sunrise übersteigt.

Er selber habe im Verwaltungsrat gegen den Kauf gestimmt, sagte Vilanek: "Wir hätten viel lieber eine Fusion gesehen. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert."

Noch keine Entscheidung von Freenet

Der heutige Entscheid heisse aber nicht, dass Freenet bei der entscheidenden ausserordentlichen Generalversammlung im Herbst gegen die grosse Kapitalerhöhung in Höhe von 4,1 Milliarden Franken stimmen werde, sagte Vilanek: "Die Entscheidung über den Deal müssen wir treffen, wenn alle Parameter bekannt sind: Darunter fielen die Entwicklung von Sunrise, die Entwicklung von UPC und allfällige Auflagen der Eidg. Wettbewerbskommission (Weko).

Als Beispiel nannte Vilanek den Aderlass bei den Kunden von UPC. Wenn dieser sich bis zur ausserordentlichen Generalversammlung fortsetze, sei der Kaufpreis zu hoch. "Ich will zuerst schauen, wie die Entwicklung tatsächlich läuft."

Aussteigen aus Sunrise will Freenet derzeit nicht: Der jetzige Aktienkurs von gut 73 Franken sei zu tief. Die Aktie habe einen Wert von 85 Franken, sagte Vilanek.

Es gebe aber keine Feindschaft zwischen Freenet und der Sunrise-Führung. "Wir haben das gemeinsame Interesse, den Wert des Unternehmens zu maximieren. Es gibt unterschiedliche Auffassung über die Risiken des Deals in der vorliegenden Form. Wir haben einen guten Ausstausch und den haben wir auch weiterhin", sagte Vilanek. "Das Management von Sunrise mache einen Bombenjob. Hut ab!"

Eventuell Zwei-Drittel-Mehrheit nötig

Um von den Aktionären grünes Licht für den Deal zu bekommen, benötigt Sunrise auf der kommenden ausserordentlichen Generalversammlung eine einfache Mehrheit. Unter bestimmten Bedingungen kann dafür jedoch eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig sein, wie Sunrise-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer ausführte: Sollte der Verkäufer von UPC Schweiz, Liberty Global, zuvor Sunrise-Aktien kaufen, wären diese formellen Anforderungen erfüllt.

Und dann wäre es für Freenet mit einer Beteiligung von 24,5 Prozent vergleichsweise einfach, Beschlüsse zu blockieren. Denn auf den Aktionärsversammlungen sind meist nicht alle Eigentümer vertreten: Am Mittwoch lag die Präsenz bei knapp 62 Prozent.

Allerdings gibt es laut Krause keine Anhaltspunkte, dass Liberty einen solchen Schritt plant. "Liberty ist das bewusst und es ist keine ernstzunehmende Option, weil sie ein grosses Interesse daran haben, dass die Transaktion stattfindet. Das ist eine theoretische Option", sagte der Finanzchef. Sie räume Liberty die Möglichkeit ein, bis zum Abschluss des Deals bis zu zehn Prozent der Sunrise-Aktien zu kaufen.

Die Ablehnung der Kapitalerhöhung erfreute die Anleger: An der Schweizer Börse legte die Sunrise-Aktie bis Handelsschluss um 2,7 Prozent zu, während der Gesamtmarkt SPI um 0,2 Prozent sank.

jb/yr

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