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Airbus startet Verhandlungen über Stellenabbau in Rüstungssparte

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17.02.2020 | 07:26
The logo of Airbus is pictured at the aircraft builder's headquarters of Airbus in Colomiers near Toulouse

- von Sabine Siebold und Alexander Hübner

- von Sabine Siebold und Alexander Hübner

"Wir gehen in Kürze in das erste Gespräch mit dem europäischen Betriebsrat", kündigte der Chef von Airbus Defence and Space, Dirk Hoke, in einem am Samstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters an. Danach würden die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen in den einzelnen Ländern starten. Der Manager wollte sich nicht dazu äußern, wie viele Stellen der Konzern streichen will. "Die Betriebsräte wissen, dass ich um jeden Arbeitsplatz kämpfen werde. Wir werden nicht mit unverhältnismäßigen Zahlen kommen", erklärte Hoke. Es würden aber keine Standorte bevorzugt. "Wir werden das natürlich an der Auslastungslage plus an der zukünftigen Pipeline an Projekten festmachen", sagte Hoke. "Hier muss man auch immer wieder ganz klar in Richtung der jeweiligen Landespolitiker sagen, dass die Standortsicherung, die viele immer verlangen, natürlich auch von Projekten abhängt. Insofern kann man natürlich sehr stark mitsteuern, wenn man Projekte nicht verzögert, sondern zügig freigibt." In der Rüstungssparte hatten sich Aufträge immer wieder verschoben. Der Streit um das Militär-Transportflugzeug A400M und der Rüstungsexportstopp nach Saudi-Arabien belasten die Sparte ebenfalls. Das zyklische Raumfahrt-Geschäft läuft schleppend. Von den konzernweit 134.000 Mitarbeitern arbeiten 34.000 bei Airbus Defence and Space, knapp 13.000 von ihnen in Deutschland.

ANGEBOT FÜR NÄCHSTE PHASE VON DT-FRZ KAMPFJET NOCH 2020

Zuversichtlich äußerte sich Hoke über das größte europäische Rüstungsvorhaben mit einem Gesamtvolumen von voraussichtlich mehr als hundert Milliarden Euro, die Entwicklung und den Bau eines deutsch-französischen Kampfjets sowie der dazugehörigen Drohnen. Nachdem der Bundestag vor einigen Tagen knapp 80 Millionen Euro für die 18-monatige Demonstrator-Phase freigegeben hatte, wollten Airbus und Dassault als Hauptvertragspartner bis Jahresende und damit rechtzeitig vor der für 2021 geplanten Bundestagswahl das Angebot für die nächste Phase fertigstellen. 2026 sollten die Demonstratoren erstmals abheben. Der neue Jet soll ab 2040 den Eurofighter und die Rafale ablösen.

Hoke trat Unmut anderer deutscher Rüstungsunternehmen entgegen, die eine zu geringe Beteiligung an dem Mega-Vorhaben beklagen. "Bei jedem Großprojekt, das Airbus gemacht hat, werden am Ende des Tages irgendwo zwischen 50 und 70 Prozent von den Zulieferfirmen getragen werden", betonte er. "Das ist in jedem Projekt so, und das wird auch in diesem Projekt so sein."

ART DES BREXIT ENTSCHEIDEND FÜR FUSION MIT TEMPEST

Hoke peilt weiter einen Zusammenschluss mit dem britischen Konkurrenzprojekt Tempest an. Dies sei jedoch abhängig davon, dass es zu einem geregelten Brexit komme. "Sollte der Brexit ohne Deal erfolgen, ist es extrem schwer, hier einen Zusammenschluss zu schaffen", sagte der Manager. Im Falle eines geregelten EU-Austritts der Briten sei die Kooperation bei beiderseitigem gutem Willen hinzubekommen. "Wir sind natürlich darauf angewiesen, dass die Regierungen eine Grundsatzentscheidung treffen", erklärte Hoke. Die Gespräche mit BAE Systems und anderen britischen Lieferanten könnten dann rasch beginnen. "Auf der industriellen Seite hätten wir keine Probleme, diese Gespräche sofort einzuleiten."

Ein harter Brexit wäre aber auch abseits von dem Kampfjet-Vorhaben ein Problem für die Airbus-Rüstungssparte, die unter anderem die Tragflächen des Militärtransporters A400M in Großbritannien fertigen lässt. "Das würde uns natürlich hochgradig belasten, wenn wir kein Handelsabkommen zwischen der EU und England hätten", sagte Hoke. Das Unternehmen habe aber alle Szenarien durchgespielt und sich, so gut es gehe, auf alle Brexit-Varianten vorbereitet.

Der A400M hatte die Konzernbilanz 2019 getrübt. Wegen abnehmender Export-Chancen für den Militärtransporter schrieb Airbus 1,2 Milliarden Euro ab. Der Manager machte dafür den deutschen Rüstungsexportstopp nach Saudi-Arabien verantwortlich. "Vor diesem Export-Verbot hatten wir sehr, sehr vielversprechende Gespräche insbesondere mit Saudi-Arabien über eine größere Zahl an A400M", sagte Hoke. Der Konzern gehe nun zumindest bilanziell zunächst nicht mehr von einer Ausfuhr des Flugzeugs in den Nahen Osten aus. Abseits davon liefen aber bereits seit langem Gespräch mit einer sehr langen Liste von Interessenten für den A400M. Details dazu wollte Hoke nicht nennen.

Im Artikel erwähnte Wertpapiere
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